AC/DC – Power Up

Mit einem weiteren AC/DC-Album hat eigentlich kaum jemand gerechnet: Nach dem Tod des demenzkranken Rhythmusgitarristen Malcolm Young – der zuvor bereits von seinem Neffen Stevie Young ersetzt wurde – im Jahr 2017 und dem Ausstieg von Sänger Brian Johnson aufgrund massiver Gehörprobleme – auf Tour kurzfristig von Guns’N’Roses-Ikone Axl Rose vertreten – verließ zudem Bassist Cliff Williams die Band. 2018 nahm die aus Australien stammende Truppe schließlich ‚heimlich‘ ihr 17. Studioalbum auf, bei dem sowohl Johnson als auch Williams und Drummer Phil Rudd wieder dabei waren. Nach einer aufwändigen PR-Aktion wurde „Power Up“ nun veröffentlicht.

AC/DC liefern einmal mehr gradlinigen Rock

„Realize“ startet mit dem typisch gradlinigen Midtempo-Rock-Beat von AC/DC, dazu ein minimalistisches Akkordriff. Mehrstimmige Background-Vocals, ähnlich wie beim Bandklassiker „Thunderstruck“, untermalen Brian Johnsons gepressten Hard-Rock-Gesang. Dabei fällt auf, wie kraftvoll AC/DC immer noch klingt. Große harmonische Wendungen tauchen beim Opener nicht auf, aber das dürfte auch kaum die Erwartungshaltung der Fans gewesen sein; stattdessen beeindruckt, wie gut die Musiker auch im hohen Alter – Johnson wurde kürzlich immerhin 73 – auf den Punkt abliefern.

„Rejection“ bietet leicht komplexere Riff-Harmonien, die hängen bleiben. Hier lädt die gewohnte AC/DC-Gradlinigkeit – untermalt durch geschickte Leadgitarren-Einwürfe von Angus Young – direkt zum Mitwippen ein. Die erste Single des brandneuen Albums von AC/DC, das leicht schleppende „Shot in the Dark“ erinnert von der Machart her an den wohl größten Hit der Band, „Highway to Hell“ – ein Höhepunkt, mit tollen Slide-Einwürfen. Auch der Text bringt die Energie – und den Abstand zum vermeintlichen Rentner-Dasein – auf den Punkt: „A Shot in the Dark / Beats a Walk in the Park“.

Typisch AC/DC: Hard Rock mit Mitsing-Potenzial

Bei „Through the Mists of Time“ kommen – ungewöhnlich für AC/DC – Moll-Akkorde vor. Der Song wird zur melodischen Hard-Rock-Mitsing-Hymne – ein weiterer Anspieltipp. „Kick You When You’re Down“ klingt nach bewährtem AC/DC-Rezept ‚gestrickt‘, der Refrain erscheint mit Call-Response-Gesängen gewollt – und geht trotzdem ins Ohr. „Witch’s Spell“ bleibt dank eingängigem, abwechslungsreichen Refrain und tollem Gitarren-Picking-Riff ebenfalls hängen. „Demon Fire“ geht flink voran, bleibt aber vergleichsweise monoton.

„No Man’s Land“ begeistert als straighte Americana-Hard-Rock-Nummer. Und auch bei „Money Shot“ klingt die Band eindrucksvoll energetisch, bevor mit „Code Red“ ein Blues-Rock-Song zum Mitnicken die zwölf neuen AC/DC-Stücke schließt. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Rock or Bust“ klingt das Zusammenspiel zwischen Angus und Stevie Young beim neuesten Material von AC/DC komplexer, wenngleich die harmonisch ‚verzahnte‘ Interaktionsebene zwischen Malcolm und Angus Young nicht erreicht wird. Das schmälert indes nicht die größtenteils gelungenen Songs, die im Falle von „Through the Mists of Time“, „Witch’s Spell“ oder „Shot in the Dark“ einen Höhepunkt im AC/DC-Werk darstellen.

Solides Klangbild

Der Klang von „Power Up“ bildet ab, was der Hörer von einer AC/DC-Aufnahme erwarten dürfte: komprimierte Rock-Sounds ohne scharfe Höhen. Die Gitarren sind gut im Panorama ortbar, der Mix ist aufgeräumt. Einzelne Elemente lassen Dreidimensionalität vermissen (etwa Drums, Bass oder Stimme). Auf der ‚Haben-Seite‘ bleibt trotz der ästhetischen Kompression Dynamik in den neuen Songs erhalten, wo das Arrangement sie vorsieht – auf übermäßige Lautheit wurde verzichtet. Das neueste Werk von AC/DC lässt sich somit recht angenehm hören.

AC/DC – POWER UP

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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